• Anna Püspök

Schluss mit den Selbstzweifeln

Aktualisiert: 26. Juli 2019



Immer wieder habe ich in meiner Praxis mit Frauen* zu tun, die unglücklich sind, weil sie in Bezug auf sich selbst entweder ein ZU VIEL oder ein NICHT GENUG im Kopf haben.

Zu sensibel, zu nachgiebig, zu inkonsequent, nicht durchsetzungsfähig genug, nicht attraktiv genug, nicht mutig genug – die thematische Bandbreite der Selbstzweifel ist breit und kann sich im Prinzip auf jede erdenkliche körperliche oder charakterliche Eigenschaft beziehen.

Ein gedanklicher Idealzustand…

Jede dieser Beschreibungen impliziert einen Soll-Zustand, also ein Ideal, das die Person - häufig unbewusst - in Bezug auf sich selbst hat, an dem sie sich misst und das sie zu erreichen versucht.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Du wärst gerne so eloquent wie die Kollegin, stammelst vor Publikum aber nur vor dich hin. Du wärst gerne so biegsam wie der Yogalehrer, kommst aber nicht einmal mit den Fingerspitzen auf den Boden. Du hältst dich für eine Rabenmutter, weil du deinem Kind nicht jeden Tag etwas Selbstgekochtes auftischst – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

…der in der Realität anders aussieht

Weicht nun der Ist-Zustand, also so, wie du tatsächlich bist oder dich verhältst, von diesem gedanklichen Soll ab, kann unbewusst ein Gefühl des Mangels, der Unsicherheit, der Unzufriedenheit mit dir selbst entstehen. Irgendwie wärst du gerne anders.

Ich kann solche Selbstzweifel und dieses Anders-Sein-Wollen sehr gut nachempfinden. Ich bin 1,80m groß und habe Schuhgröße 42 - also nicht gerade das, was man bei Frauen als Durchschnitt bezeichnen würde. Optisch so herauszustechen, war vor allem in der Pubertät, wo ich am liebsten anonym in der Masse verschwunden wäre, eine riesige Herausforderung.

Ich musste in meinen Körper im wahrsten Sinne des Wortes erst hineinwachsen. Es hat Jahre gedauert, bis ich nicht mehr mit eingezogenen Schultern, sondern hoch erhobenen Hauptes und meiner Körpergröße entsprechend durch die Welt gehen konnte. Sehr lange haben mich Kommentare wie „Du bist ja riiiesig!“ (als ob ich das nicht selbst wüsste 😊) sehr verunsichert und „klein“ werden lassen.

Antrieb oder Druck?

Nun muss ein gedankliches Soll ja nicht automatisch schlecht sein. Genauso kann es Antrieb und Motivation dafür sein, an sich zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln. Viel öfter mache ich aber die Erfahrung, dass sich Frauen selbst damit unter Druck setzen, ein wie auch immer geartetes Ideal erreichen zu wollen - und zwar nicht aus einer positiven Motivation heraus, sondern aus einem Gefühl des Mangels.

Der (unbewusste) Gedanke, der dem zugrunde liegt, lautet: „Ich bin NICHT gut so, wie ich bin.“, und weiter: „Ich muss anders werden, als ich bin.“ Schwierig kann es besonders dann werden, wenn du mit etwas haderst, das sich überhaupt nur schwer oder gar nicht verändern lässt.

Dem Ideal auf den Grund gehen

<